Historie der Mounted Games in Deutschland

Einer der ersten ZeitungsartikelWie alles begann….

Im Frühjahr 1990 erhielten die Sieger und Veteranen des Jesteburger Gymkhanas eine Einladung von Twiga (Friedrich Karl Vollmers) zu einem Trainingstag für eine "neue" Sportart.

Mounted Games? 
Was soll das denn sein…??? 
Genaue Informationen erhielten wir, als „der Besuch“ - Roger Sykes - in Deutschland war:

Es erschien ein typischer englischer Gentelman, der im Handgepäck eine menge Videos(!) hatte und sich mit uns auf dem Jesteburger Sandplatz traf. Twiga übernahm den Trainerjob und hatte schon zu Beginn immer eine junge Frau um sich herum, die stets meinte: „Twiga…, das sieht auf den Videos ganz anders aus" und somit war die Stunde der Gaby Makowski geboren, die dann von Twiga den Job des Trainers übertragen bekam. Zu "alt" zum Reiten - aber Begeisterung für den neuen Sport - so wurde man damals Trainer!

Nach dem ersten Trainingswochenende mit Roger, erfolgte spontan die Einladung zur Weltmeisterschaft in Swansea / Wales, die gerne angenommen wurde. 1990 wurde in Wales noch auf Leihponys geritten.

Aber wie erstellen wir ein Team? Ganz kurzfristig - es waren ca. 3 Monate bis Swansea - mußte eine Entscheidung getroffen werden. Es wurde sich darauf geeinigt, eine direkte Auswahl aus 8 Reitern zu treffen. Bei einem typischen „Twiga-Regentag“  wurde ein Mini-Turnier im Punktesystem und ständigem Pferdetausch durchgeführt und entschieden.

Erstes deutsches WM TeamDas Reiter Team stand fest: Selina Gordon, Meike Vollmers, Annika Szepanski, Corinna Wiesner, Isabel von Heydebreck (Foto rechts: WM 1990 in Swansea, auf Leihpferden). Wie Gaby zu ihrem Job kam haben wir ja erzählt. Es gab aber noch den Posten des „Chaperon“ zu vergeben = ein Betreuer, der für alle Belange des Teams zuständig war. Silke Vollmers spricht fließend Englisch, begleitetet das Team sowieso und schon war auch dieser Posten vergeben. So einfach war das damals!

Die nächsten Wochen trafen sich alle zum Training, das auch oft daraus bestand, sich die VHS Kassetten anzuschauen, wodurch diese im Laufe der Zeit zu leiern begannen.

Gemeinsam flogen oder fuhren wir nach Wales, wo noch alle Mannschaften zusammen in einem großen Hotel  untergebracht waren. Die Fangemeinde und Begleiter waren im gleichem Hotel. Auch die Tagesprogramme waren für alle Mannschaften gemeinsam geplant, und so fuhren wir über die walisische Landschaft in einem Doppeldeckerbus und Dank der Amerikaner und Iren war für musikalische Stimmung immer gesorgt, da es zu Gesangseinlagen kam, bei den alle mitgemacht haben und es viel gelacht wurde. Die ersten Sprachbarrieren wurden überwunden. Durch einen Feueralarm wurden Nachts alle aus dem Hotel getrieben, und wir konnten erstaunt feststellten, dass es auch Mitreisende gab, die es noch in der Evakuierungsphase geschafft hatten sich zu schminken, Koffer zu packen und sich aufgestylt vor das Hotel flüchten zu können. Andere standen nur mit dem nötigsten vor der alten Burg.

Die Weltmeisterschaft begann mit Ernüchterung… Da dieses „große Turnier“ - so dachten viele von uns - nicht in einem Stadion stattfand, sondern einfach im Park eines netten walisischen Schlosses! Uns wurden die Ponygruppen zugeteilt und schon sahen wir das das Tempo unserer eigenen Übungsponys in keinem Verhältnis zu denen standen, die wir vor Ort bekamen! Nach jedem Durchgang wurden die Ponys gewechselt.

Es war eine tolle Erfahrung,  die jedoch meist mit den Worten "well done Germany" für uns endete.

Team NordheideNach der Rückkehr wurde die erste deutsche Mounted Games Mannschaft gegründet: Team Nordheide, die die erste Aufführung auf der Gymkhana 1990 hatte. Auf dem Foto rechts "Team Nordheide": Erstes Deutsches Mounted Games Team, von links Meike Vollmers auf Good Fellow, Isabel v. Heydebreck auf Asco, Corinna Wiesner, Trainerin Gaby Makowski, Selina Gordon auf Gousebaker und Anika Szepanski auf Rico

Es folgten Showveranstaltungen im Norden von Deutschland (Neumünster ´91 , Hansepferd´92, usw ),  die auch schon den ersten Handbruch für einen Reiter mit sich trugen - heute sind es die Kreuzbänder. So wurde fleißig die Werbetrommel für unseren Sport gerührt. (Foto rechts: Das erste Vereinsteam vom Gründungsverein RuFV Nordheide bei einer der ersten Showveranstaltung auf der Hansepferd in Hamburg).

An der WM 91 nahmen wir aus Anreisegründen (USA) nicht teil dafür ´92 wieder, diesmal im Lincoln Park, England.

Showveranstaltung auf der HansepferdDer Höhepunkt dieser Zeit, war der Auftritt vor über 40.000 Menschen in Aachen ´93. Gänsehaut pur, wenn „Mus i denn zum Städele hinaus“ gespielt wird, und das gesamte Publikum die Reiter mit weißen Taschentüchern winkend verabschiedet.  Auch andere Showauftritte von Kiel bis Donaueschingen (immer noch mit internationaler Unterstützung des nahen europäischem Ausland ) führten dazu, dass sich immer mehr Vereine für Mounted Games begeisterten.

Es wird uns immer in Erinnerung bleiben, dass das Kolonnefahren mit Twiga als Frontfahrer ein Abenteuer war. So manches Mal standen die „Verfolger“ auf der Autobahn - Twiga hatte uns mitten in der englischen Pampa abgehängt -  und keiner wusste wo es hingehen sollte. Oder der letzte Fahrer musste tanken und versucht mit dem letzten Tropfen der Tankfüllung Twiga einzuholen um eine "Station" aufzusuchen. (Zur Info: Man hatte noch keine Handys!)

Ab ´94 hatten wir dann so viele Mannschaften, das Showvorführungen nur in "deutsch" geritten werden konnten. Auch hier unvergessene Erlebnisse, wie z.B. Horner Rennbahn: das im Morgennebel gerittene Rennen = „1x um die Bahn“! Der Start erfolgte kurz bevor uns die Offiziellen den Spaß verderben konnten. Oder Siggi Höhne in seiner amerikanischen „Stars and Stripes“ Unterhose, der ganz hemmungslos morgens im „gemischten Waschraum“ erschien.

1995 wurde in Jesteburg das erste INTERNATIONALES MOUNTED GAMES FESTIVAL veranstaltet. Nicht wundern: es war die WM, aber die FN bestand darauf es so zu nennen.

In dieser ganzen Zeit, muss man sich bei dem damaligen Helferteam bedanken! Zu allen Veranstaltungen wurde die komplette Arenaparty von uns organisiert,  und bis über drei Tage der gesamte Aufbau übernommen! Unser Jungs hatten ganz schön zu tun. Noch heute profitieren wir von den Tricks unseres damaligen Arenachefs  Manfred Leers, der uns beibrachte, wie es gelingt mit weniger als den erforderlichen Eintrittskarten auszukommen, oder wie man von Ordern und Offiziellen mehr bekommt als andere.  

In den ersten Jahren wurde das Motto: „Einer für alle - alle für einen“ ob Helfer, Reiter, Orgateam wirklich großgeschrieben. Spaß und Gemeinschft war auf jeder Veranstaltung dabei.

Ja,  und wie es weiter ging…. da kann schon fast jeder seine eigene Geschichte schreiben…